Sehnsucht nach Gemeinde – warum gesunde Familien und Gemeinden sich gegenseitig brauchen

Es war ein Sonntag im Mai 2020 und ich erinnere mich noch heute daran. Nach einigen Wochen des Corona-Lockdowns trafen wir uns erstmals wieder vor Ort in den Gemeinderäumen, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Der Titel der Predigt lautete: Sehnsucht nach Gemeinde. Wenn Selbstverständliches plötzlich nicht mehr selbstverständlich ist, fangen wir manchmal erst an, es wieder wertzuschätzen. Genau so war es an diesem Sonntag! Wie froh waren wir, uns endlich dort wieder zu treffen und Gott gemeinsam anzubeten.

Psalm 26,4: Herr, ich habe geliebt die Wohnung deines Hauses und den Wohnort deiner Herrlichkeit.

Psalm 84,11: Denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend; ich will lieber an der Schwelle im Haus meines Gottes stehen, als wohnen in den Zelten der Gottlosen.

Nicht in jeder Lebensphase erleben wir diese Sehnsucht nach Gemeinde und nach den Glaubensgeschwistern, die wir dort treffen. Doch eigentlich gibt es unzählige Gründe, warum wir eine reale Ortsgemeinde brauchen und die Sehnsucht danach nicht nur eine schöne Ergänzung zu vielen anderen Aktivitäten ist, die wir als Familie eben so erleben. Eine Ortsgemeinde ist eine der wichtigsten Säulen für unser eigenes Glaubensleben und für das Glaubensleben unserer Familie. Und nicht nur wir brauchen die Gemeinde, sondern die Gemeinde braucht ebenso uns und unsere Familie. Im Folgenden wollen wir uns also sieben Gründe anschauen, warum Gott so viel Wert auf die Gemeinde legt und warum es sich lohnt, eine echte Sehnsucht danach zu haben, ein aktiver Teil dieser Ortsgemeinde zu sein.

1. Gemeinde ist Gottes Plan

Die Gemeinde ist nicht nur eine menschliche Idee, sondern eine göttliche Idee. In der Apostelgeschichte lesen wir über die Anfänge der Gemeinde, die sich von Beginn an durch regelmässige Treffen, gemeinsames Predigt hören, gemeinsames Gebet und das Brotbrechen (Abendmahl) auszeichnete (vgl. Apg. 2,42). Und diese göttliche Erfindung ist so genial wie herausfordernd zugleich. Denn die Gemeinde ist ein Ort, an dem unterschiedlichste Menschen zusammenkommen, die sich an anderen Stellen des Lebens vielleicht niemals über den Weg laufen würden. Da sind laute und leise Menschen, alte und junge Menschen, kranke und gesunde Menschen, langjährige Christen und Neubekehrte, temperamentvolle und schüchterne Charaktere… – und sie treffen sich als eine Gemeindefamilie, die sich gegenseitig ehrliche Worte der Ermutigung und Ermahnung zusprechen, Freuden, Sorgen und Nöte miteinander teilen und gemeinsam für Gott leben wollen.

Wo so unterschiedliche Menschen zusammenkommen ist man nicht immer einer Meinung. Und doch ist das, was uns daran so herausfordert, gleichzeitig auch das, was die Gemeinde so lebendig und genial macht. Jeder hat seine Begabung und seine Aufgabe innerhalb der Gemeinde. Gott stattet jeden von uns mit unterschiedlichen Talenten aus, die wir in der Gemeinde einbringen können. Und jede dieser Aufgaben ist gleich viel wert, egal ob es etwas ist, das viele Menschen sehen (so wie beispielsweise den Predigtdienst) oder etwas, was niemand sonst mitbekommt (also kleinere Tätigkeiten im Hintergrund). Die Bibel verwendet in diesem Zusammenhang das Bild des menschlichen Körpers und zeigt, dass jeder einzelne für die Gemeinde gleich wichtig ist!

1. Korinther 12,21+26-27: Und das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich brauche dich nicht!, oder das Haupt zu den Füssen: Ich brauche euch nicht! […] Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit; und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit. Ihr aber seid [der] Leib des Christus, und jeder ist ein Glied [daran] nach seinem Teil.

Als Teil des Körpers gehöre ich fest dazu. Fehlt eins der Körperteile, ist der Körper nicht vollständig und nicht voll funktionsfähig. Fehlt beispielsweise das Auge oder der Fuss, fällt nicht nur diese eine Funktion aus, sondern der ganze Körper ist geschwächt. Als Familien kennen wir es sehr gut, dass es Phasen gibt, in denen wir mehr Energie investieren müssen, um als ganze Familie aktiv am Gemeindeleben teilzunehmen. Und das führt dazu, dass manche Familien zum Beispiel in der Lebensphase mit Babys und Kleinkindern nicht so regelmässig am Gottesdienst teilnehmen. Nun ist klar, dass man aufgrund von Krankheit und anderen gravierenden Gründen auch mal nicht vor Ort sein kann. Doch würde dem Leib Christi dauerhaft etwas fehlen, wenn Familien in solchen Situationen sagen würden, dass sie nur noch teilweise am Gemeindeleben teilhaben. Es wäre so, als wenn in solchen Phasen ein Auge oder ein Fuss fehlen würde. Und das bringt uns zu unserem nächsten Punkt:

2. Gemeinde braucht Verbindlichkeit

In Hebräer 10 finden wir eine wunderbare Zusammenfassung dessen, was einer der wichtigsten Gründe dafür ist, warum es die Gemeinde überhaupt gibt. Ein besonders wichtiger Teil des göttlichen Plans einer Gemeinde besteht darin, dass wir uns gegenseitig dazu ermutigen dürfen, so zu leben wie Gott es möchte. Die Bibel nennt das “aufeinander achtgeben” und “einander zur Liebe und zu guten Werken anspornen.”

Hebräer 10,24+25: Und lasst uns aufeinander achtgeben, damit wir uns gegenseitig anspornen zur Liebe und zu guten Werken, indem wir unsere eigene Versammlung nicht verlassen, wie es einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das umso mehr, als ihr den Tag herannahen seht.

Und diese Verse liefern im zweiten Teil gleich noch die Art und Weise mit, wie das geschehen soll. Wir dürfen einander helfen, so zu leben wie Gott es möchte. Nämlich, dass wir einander Liebe zeigen und gute Werke tun (nicht weil wir dadurch errettet werden, sondern weil wir es aus Dankbarkeit gegenüber Gott tun, der uns dieses Leben überhaupt geschenkt hat). Und eine Voraussetzung dafür ist, dass wir unsere Gemeinden nicht verlassen, also dass wir einander kennen und regelmässig sehen. Wir können einander nicht anspornen oder anfeuern, wenn wir uns nicht sehen und nichts voneinander wissen.

Ein weiteres Bild der Bibel macht uns diesen Punkt ebenfalls deutlich. In 1. Petrus 2 wird uns die Gemeinde als ein Haus aus lebendigen Steinen vorgestellt.

1. Petrus 2.5: So lasst auch ihr euch nun als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus, als ein heiliges Priestertum, um geistliche Opfer darzubringen, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus.

Ein Stein innerhalb des Hauses kann sich nicht jeden Tag neu entscheiden, ob er Teil des Mauerwerks sein möchte oder nicht. Er ist als fester Bestandteil eingebaut. Mit Jesus als dem Eckstein, der das ganze Haus zusammenhält. Und das ist es, was die Gemeinde braucht. Lebendige Steine, die als verbindlicher, lebendiger Stein ihre Aufgabe und Verantwortung innerhalb der Gemeinde wahrnehmen – indem sie ihr von Gott gegebenes Talent (oder wie es Petrus nennt ihre “geistlichen Opfer”) zum Wohl des Ganzen und zur Ehre Gottes (oder wie Petrus sagt “Gott wohlgefällig) mit Jesu Hilfe einsetzen. Der grosse Gott möchte jeden von uns gebrauchen, um seine Gemeinde zu bauen. Was für eine grosse Ehre, dass er uns dabeihaben möchte. Diese grosse Ehre ist aber auch eine grosse Verantwortung, die uns nicht immer leicht fällt.

3. Gemeinde fordert uns heraus

Denn was die Gemeinde so lebendig und vielseitig macht, fordert uns gleichzeitig auch sehr heraus. Mitten in einem vollen Familienalltag, wo in manchen Phasen Kraft, Zeit und Geduld Mangelware sind, ist es genau das, was wir in unsere Gemeinden investieren sollen. Wenn wir durch Gottes Wort oder einen unserer Mitmenschen korrigiert werden, ist das ein grosser Gewinn für uns. Aber es ist nicht angenehm und fordert uns heraus. Die Bibel enthält unzählige Stellen, die uns aufzeigen, wie wir einander begegnen sollen. Ein grosser Teil davon findet innerhalb der Gemeinde statt.

Galater 6.2: Helft einander, eure Lasten zu tragen! Auf diese Weise werdet ihr das Gesetz erfüllen, das Christus uns gegeben hat

1. Thessalonicher 5,11: Darum ermahnt einander und erbaut einer den anderen, wie ihr es auch tut!

Kolosser 3,13-14: Ertragt einander und vergebt einander, wenn einer gegen den anderen zu klagen hat; gleichwie Christus euch vergeben hat, so auch ihr. Über dies alles aber [zieht] die Liebe [an], die das Band der Vollkommenheit ist.

Weitere Bibelstellen dazu sind diese. Nimm dir gerne einmal die Zeit, sie durchzulesen. Johannes 15, 12 / Johannes 13,34 / Römer 15,7 / 1. Johannes 4,7 / Jakobus 5,16 / 1. Johannes 4.11 / Kolosser 3,9-10 / 1. Johannes 4,12 /Kolosser 3,13 / Galater 5,13 / Epheser 4,2 / Römer 12,10 / Epheser 4,32 / 1. Korinther 7,5 / Johannes 13,14 / Römer 14,13 / Hebräer 13,4 / 1. Thessalonicher 5,15

Sie alle zeigen den grossen Gewinn, den wir dadurch haben, dass wir mit unseren Gemeindegeschwistern Freude und Leid teilen. Und sie zeigen auch die grosse Herausforderung und Geduld, die wir miteinander haben müssen, um so aneinander festzuhalten. Bei Schwierigkeiten erscheint es manchmal die beste Lösung zu sein, diesen zu entfliehen, und sich einfach eine andere Gemeinde zu suchen. Denn meistens gibt es in unserer Umgebung mehr als nur eine Gemeinde. Doch viele übersehen dabei, dass es in jeder Gemeinde über kurz oder lang auch mal zu Schwierigkeiten kommen wird. Und das wissen wir nicht, weil wir jede Gemeinde dieser Welt kennen, sondern weil wir (sobald wir dort sind) mindestens einen Menschen dort schon kennen, der schwierig sein könnte – und das sind wir selbst. Vielleicht fragst du dich, woher du wissen kannst, in welcher Gemeinde Gott dich überhaupt haben möchte? Und das führt uns zu unserem nächsten Punkt.

4. Gemeinde fordert Unterscheidungsvermögen

In unserer Zeit ist es nicht sehr erwünscht, zwischen wahr und falsch zu unterscheiden. “Jeder hat ja seine eigene Wahrheit.” Doch die Bibel zeigt uns auf, dass es echte Wahrheit gibt und dass wir nach ihr suchen sollen.

Römer 12,2: Passt euch nicht diesem Weltlauf an, sondern lasst euch [in eurem Wesen] verwandeln durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist. 

Ist dir aufgefallen, dass hier von “der gute und wohlgefällige Wille Gottes” und nicht etwa von “einem guten und möglicherweise richtigen Willen Gottes” die Rede ist? Es beweist, dass es den einen Willen Gottes gibt! Unterscheidungsvermögen bedeutet, dass ich mit der Bibel in der Hand prüfen kann, was Gott gefällt und was nicht. Es bedeutet nicht, dass jeder Mensch die vollkommene Weisheit hat. Jeder von uns wird sich in gewissen Fragen auch mal irren. Aber das liegt an uns fehlerhaften Menschen und nicht daran, dass Gottes Wort fehlerhaft ist. Gott fordert jeden von uns auf, nach diesem einen wahren Willen Gottes zu suchen, weil es ihn gibt.

In Gesprächen hört man immer wieder Aussagen wie diese: “Die Hauptsache ist doch, dass man den Herrn Jesus lieb hat.” Und ja, das ist eine wichtige Grundvoraussetzung. Dabei beruft man sich manchmal auf die Aussage in 1. Thessalonicher 5,21: Prüft alles und behaltet das Gute. Manche verstehen dies so: “Es muss nicht immer alles richtig sein, solange ein bisschen Wahres mit dabei ist. Ich behalte einfach das Gute davon.” Aber das ist so nicht wahr. Wir sind von der Bibel dazu aufgefordert, alles in dem Sinne zu prüfen, dass wir nach der echten Wahrheit Ausschau halten und dass auch unsere Gemeinde dies tut. Es geht dabei nicht darum, dass wir immer als die kleinkarierten Kritiker bekannt sein sollen, die an allem und jedem etwas auszusetzen haben. Ganz im Gegenteil. Sondern die Liebe zu Jesus treibt uns dazu, dass wir so nah wie möglich an dem dran sein wollen, was uns die Bibel sagt. Durch das Lesen von Gottes Wort und durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt, will Gott uns helfen, dass unser Unterscheidungsvermögen zunimmt und wir immer mehr wissen, was Gottes Plan für seine Gemeinde und unser Wachstum ist. (Wenn du mehr darüber lesen möchtest, wie eine Gemeinde nach Gottes Plan aussieht, empfehle ich dir, das Buch “Die lebendige Gemeinde” von John MacArthur zu lesen.)

Wenn alle Gemeinden ihren jeweiligen Schwerpunkt haben und ich dort auf Schwierigkeiten treffe, muss ich dann überhaupt zu einer Gemeinde hingehen? Im Internet gibt es doch mittlerweile so viele gute Inhalte, die mich geistlich wachsen lassen. Ist eine Ortsgemeinde dann heutzutage überhaupt noch nötig? Diese immer wieder gestellten Fragen bringen uns zu unserem nächsten Punkt.

5. Gemeinde fordert unsere Präsenz (und zwar nicht online)

Es ist ein grosser Segen, dass es mittlerweile viele gute Inhalte über das Internet abzurufen gibt. Auch unser Dienst von “Mütter aus Gnade” ist ja so ein Online-Dienst. Solche Quellen können aber immer nur eine Ergänzung zu unserer geistlichen Versorgung in einer Ortsgemeinde und niemals unsere Hauptnahrungsquelle sein! Dies hat drei verschiedene Gründe: Zum einen wird dir vermutlich bewusst sein, dass sich viele Inhalte widersprechen und in völlig unterschiedliche Richtungen weisen. Sie haben unterschiedliche Grundannahmen als Basis. Zwei verschiedene Blogs, Autoren oder Prediger können von “Sünde” oder “Liebe” sprechen und damit zwei komplett unterschiedliche Dinge meinen. Nur wenn wir ein grundsätzliches Unterscheidungsvermögen erlernt haben, können wir die präsentierten Inhalte einordnen. Und es ist wirklich entscheidend, von welchen Inhalten wir uns prägen lassen! Im schlimmsten Fall kann es darüber entscheiden, ob Ehen geschieden oder daran festgehalten wird. Ob ich bei seelischen Nöten die Hilfe bei einem Psychologen oder bei einem bewährten Christen und mit Hilfe der Bibel suche. Ob ich Leitung und Autorität als biblisches Prinzip oder grundsätzlich als Machtmissbrauch einordne. Das alles sind keine kleinen Fragen – sondern Entscheidungen, die einen ganzen Lebensweg komplett verändern können.

Zum anderen kennen wir die Personen, deren Inhalte wir lesen, oftmals gar nicht persönlich. Was ist, wenn diese Personen in ihrem Leben etwas ganz anderes ausleben als sie uns vermitteln? In der Online-Welt meinen wir oftmals, die Personen zu kennen, deren Inhalte wir häufig konsumieren. Dabei erleben wir nur einen ganz kleinen Ausschnitt ihres Lebens, und dann noch einen, der ganz speziell herausgesucht wurde, um veröffentlicht zu werden. Hinzu kommt, dass viele Inhalte, die online zur Verfügung gestellt werden, viel weniger Verweise auf Quellen oder andere Hintergründe haben. Oftmals stehen einfach Meinungen dort, die einfach sehr überzeugend vermittelt werden. Im persönlichen Gespräch in einer Ortsgemeinde, oder im Anschluss an eine gehörte Predigt dort, ist dies der Moment, wo ich persönlich nachhaken und fragen kann, auf welchen Quellen und Argumenten diese Annahme basiert. Es ist der Moment, wo ich die Person, die vor mir steht, kenne (oder kennenlernen kann) und ich sehe, wie sie mit ihrer Familie und anderen Menschen um sich herum umgeht.

Wie gesagt, auch wir sind ein online bereitgestellter Dienst und wir tun ihn aus grosser Überzeugung. Wir sind dankbar dafür, wie Gott ihn gebraucht, um andere Mütter zu ermutigen und ihnen Hilfe bereitzustellen. Dabei ist es uns vor allem ein Anliegen, nicht unsere eigene Person oder Meinung, sondern Gottes ewig gültige Massstäbe in den Vordergrund zu stellen. Denn wir als Menschen bleiben immer fehlerhaft und brauchen Korrektur und Wegweisung – aber Gottes Massstäbe und die Grundsätze, die wir in der Bibel finden, bleiben ewig gültig und perfekt! Und auch wenn wir überzeugt sind, dass es etwas Gutes ist, die Artikel auf dieser Seite zu lesen, ersetzt dies trotzdem niemals, dass man eine Gemeinde vor Ort hat, in der man sich mit anderen Menschen austauscht und die biblischen “einander”-Prinzipien ganz real auslebt.

Und das ist der dritte Grund, warum es beim Thema der Gemeinde deine Präsenz im realen Leben und nicht im geistlichen Online-Leben braucht. Wenn man sich ausschliesslich oder überwiegend online mit Themen auseinandersetzt, besteht die Gefahr, dass man auf der Konsumenten-Ebene stehenbleibt. Man liest oder hört etwas, prüft es, ob es mit Gottes Wort übereinstimmt und freut sich dann, dass man etwas Neues gelernt hat. Doch hier darf es nicht stehen bleiben. Das, was ich gelernt habe, muss im Anschluss in die Praxis umgesetzt werden. Eine Ortsgemeinde ermutigt mich genau dazu, nicht als Konsument zu verharren, sondern selber aktiv zu werden, um anderen Menschen in meinem Umfeld Gutes zu tun und das anzuwenden, was ich aus Gottes Wort gelernt habe. Und was daraus entsteht, führt uns zu unseren letzten beiden Punkten.

6. Gemeinde bringt grossen Segen

Denn das ist es, was uns durch die Institution der Gemeinde neben der Verherrlichung Gottes geschenkt werden soll. Ein überreicher Segen für unsere eigenen Familien und auch für uns selbst. Erst letztens habe ich dieses Zitat von Elizabeth George gelesen: “Eine Familie, die am Gemeindeleben teilnimmt, erntet viel Gutes – und dieses Gute bringt reichlich Zinsen von Generation zu Generation. Man kann sich kaum vorstellen, welche gewaltige Bedeutung die Teilnahme am Gemeindeleben für die Ewigkeit besitzt! Der Sonntagmorgen ist nur ein kurzer Zeitabschnitt, verglichen mit der ganzen Woche, und doch: Die Gewohnheit, diesen Abschnitt dem Gottesdienst mit der Gemeinde zu widmen, hinterlässt langsam, aber sicher und wirksam einen tiefen Eindruck auf die Seele. Früher oder später bewirkt sie einen entscheidenden Unterschied im Leben, im Herzen und in der Familie.”

Wenn du in deiner Gemeinde aktiv wirst, bringt das zusätzlich zum Gewinn für deine eigene Familie, auch viel Segen für deine Gemeindegeschwister. Ein gutes Wort zur rechten Zeit, ein offenes Ohr in Not, eine helfende Hand, wo Hilfe fehlt… Das alles hat grosse Auswirkungen, wenn du da bist, um es zu tun. Wenn du es nicht tust, bleibt es ungetan. Ja, Gott kann einer Person auch auf andere Art und Weise helfen – aber er möchte dich mit dieser ehrenvollen Aufgabe gebrauchen und daraus Segen entstehen lassen! Und dieser Segen ist nicht nur auf uns und unsere Gemeindegeschwister begrenzt.

7. Gemeinde strahlt nach aussen

Die Gemeinde ist nicht nur eine Zusammenkunft von Menschen, die Jesus lieben. Sie ist ein Ort, zu dem man andere Menschen einladen kann, die sich nach einem Gespräch oder nach einem Sinn für ihr Leben sehnen. Auch unsere Kinder können ihre Schulfreunde dorthin einladen. Wo echte Gemeinde und innige Gemeinschaft gelebt wird, hat das immer eine grosse Anziehungskraft.

Vielleicht kennst du diese Momente, wenn einem am Sonntag alles zu viel wird. Man kommt gestresst an, nachdem vieles am Morgen schief gegangen ist. Die Kinder verhalten sich nicht so, wie wir es uns wünschen würden und schon nach fünf Minuten sind wir mit dem ersten Problem konfrontiert, bei dem wir uns in Erinnerung rufen müssen “ertragt einander…” (vgl. Kolosser 3,13). Und du fragst dich vielleicht. Ist es das wirklich wert? Lass dir sagen: Ja, das ist es zu jedem Zeitpunkt! Nicht deshalb, weil es immer harmonisch, schön und gemütlich ist. Sondern weil Christus es für uns vorgesehen hat und er versprochen hat, uns auf diese Art zu segnen. Gemeinde darf ein Ort sein, der für viele Menschen ein zweites Zuhause ist, manchmal sogar ein wichtigeres als ihr erstes Zuhause. Ich bin so dankbar, dass unserer Gemeinde vor Ort genau ein solcher Ort ist. Auch wenn wir schon viele Stürme erlebt haben, so hat Gott es immer wieder geschenkt, dass wir einander ermutigt, ertragen und erfreut haben. Das alles ehrt Gott! Möge er es schenken, dass die Sehnsucht nach dieser festen Verbindung und Einheit in einer Gemeinde bei vielen wieder neu entfacht wird und wir für diese geniale Erfindung Gottes wieder neu dankbar sein können.

Hebräer 10,24+25: Und lasst uns aufeinander achtgeben, damit wir uns gegenseitig anspornen zur Liebe und zu guten Werken, indem wir unsere eigene Versammlung nicht verlassen, wie es einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das umso mehr, als ihr den Tag [der Wiederkunft Jesu] herannahen seht.

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