Die Frucht des Geistes für Kinder – wie Gottes Wort unseren Erziehungsalltag prägen kann
Wenn ich im Sommer so einen vollen Kirschbaum, einen Himbeerstrauch oder eine bunt gemischte Fruchtschale sehe, kommt mir dabei immer ein wichtiges Bild aus der Bibel in den Sinn. Es ist die Frucht des Geistes, von der Paulus im Galaterbrief spricht:
Galater 5,22: Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung.
Die Frucht des Geistes ist ein entscheidender biblischer Grundsatz für jeden Christen persönlich. Aber auch für unsere Kinder und die gesamte Familie ist es eine bedeutende Leitlinie, wie wir miteinander umgehen und den Charakter jedes Familienmitglieds formen sollen. Schon seit vielen Jahren ist die Auflistung an Eigenschaften aus Galater 5 darum für mich als Mama ein grosses Hilfsmittel – ganz persönlich in meinem Verhalten, aber auch in der Erziehung meiner Kinder.
Kleine Einführung in die Frucht des Geistes
Bevor wir anschauen, wie wir die Frucht des Geistes in unserem Erziehungsalltag kindgerecht anwenden, wollen wir verstehen, was Paulus uns da überhaupt erklärt. Paulus nennt in Galater 5,22 neun Eigenschaften, die den Charakter eines Christen bestimmen sollen: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.
Genau wie die Früchte im Sommer an den Bäumen sollen diese bei einem Kind Gottes für andere sichtbar sein: auffallend leuchtend, voller Geschmack, saftig und köstlich zum Essen.
Alles, was uns hier aufgelistet wird, sind göttliche Eigenschaften, und als seine Nachahmer (Epheser 5,1) sollen wir ebenfalls göttliche Eigenschaften aufweisen und im Gegenzug alles hassen, was gottlos ist.
Epheser 5,1 + 11: Seid nun Nachahmer Gottes als geliebte Kinder! ….Und habt nichts gemein mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, sondern stellt sie vielmehr bloss!
Wie der Kontrast zwischen einem vor Leben sprühenden Baum im Sommer und einem karg und leblos erscheinenden Baum im Winter, so sollte auch der Kontrast im Lebenswandel zwischen einem Menschen sein, der ein Kind Gottes ist, und einem, der (noch) ohne Gott lebt. Der Galaterbrief zeigt uns diesen Kontrast ganz ungeschminkt auf und benennt die faulen, ungeniessbaren Früchte, die ein Mensch hat, der in seinem eigenen Willen lebt (Jakobus 1,14) und somit in der Sünde, was die Bibel das Fleisch nennt:
Galater 5,19–21: Offenbar sind aber die Werke des Fleisches, welche sind: Ehebruch, Unzucht, Unreinheit, Zügellosigkeit, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Streit, Eifersucht, Zorn, Selbstsucht, Zwietracht, Parteiungen, Neid, Mord, Trunkenheit, Gelage und dergleichen, wovon ich euch voraussage, wie ich schon zuvor gesagt habe, dass die, welche solche Dinge tun, das Reich Gottes nicht erben werden.
Bevor ein Mensch ein Christ ist, wird sein Verhalten komplett von seinem sündhaften Fleisch bestimmt. Doch dann, ein paar Verse weiter, zeigt uns Paulus mit der Frucht des Geistes, dass wir als Kinder Gottes, nicht im Fleisch wandeln sollen, sondern im Geist. Denn als errettetes Kind von Gott wurden wir von dem Gesetz des Fleisches, das sündigt, befreit und stehen nun unter dem Gesetz des Geistes:
Römer 8,13: Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes …
Galater 1,4: Er hat sein Leben für unsere Sünden hingegeben und uns davon befreit, so leben zu müssen, wie es in dieser vergänglichen, vom Bösen beherrschten Welt üblich ist.
Durch Gottes Geist, der uns durch die Wiedergeburt gegeben wurde (1. Johannes 4,13), müssen wir darum nicht unserer sündhaften Natur Raum geben, sondern können und sollen einen gottgewollten Wandel haben, wie in Philipper 2,13 deutlich steht: Denn Gott ist es, der in euch wirkt, sowohl das Wollen als auch das Wirken zu seinem Wohlgefallen.
Und so sollen wir, was den früheren Wandel betrifft, den alten Menschen ablegen, der sich wegen der betrügerischen Begierden verderbte … und dafür erneuert werden im Geist unserer Gesinnung und den neuen Menschen anziehen, der nach Gott geschaffen ist in wahrhaftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit (Epheser 4,22+23).
Kein Wunder, sagt uns Paulus, dass wir “durch den Geist die Handlungen des Leibes töten” sollen (Römer 8,13b) und “im Geist wandeln sollen: damit wir die Lust des Fleisches nicht vollbringen.” (Galater 5,16). Vielmehr sollen wir uns von Gott erneuern lassen, weil wir als Kinder Gottes durch Gottes Geist in uns eine neue, Gott entsprechende Schöpfung sind (Römer 8,11; 2. Korinther 5,17), die durch ihn befähigt ist, ebenfalls seine göttlichen Eigenschaften zu tragen. Ist das nicht wunderbar?Und genau diese Eigenschaften werden uns in Galater 5 aufgelistet.
Bei all dem ist es wichtig zu betonen, dass die Frucht des Geistes ein Zusammenspiel von Gottes Wirken in uns (durch den Heiligen Geist) und unserem eigenen Bemühen ist. Jerry Bridges sagt es so: “Ein gottähnlicher Charakter ist beides: die Frucht des Geistes, die in uns wirkt, und das Resultat von unserem persönlichen Aufwand.”1i Es ist wie bei einem Staubsauger. Dieser hat einen Motor, der zu 100 % betriebsfähig ist, um Schmutz aufzusaugen, doch er saugt keinen einzigen Krümel auf, wenn er nicht am Strom angeschlossen ist. Das bedeutet, er ist auch zu 100 % vom Strom abhängig, um zu funktionieren. Und so verhält es sich auch bei uns, damit wir die Frucht des Geistes hervorbringen. Es braucht eben beides: unser aktives Handeln (für das wir durch den Geist zu 100 % ausgerüstet sind) sowie Gottes Hilfe und Wirken in uns (was durch den Heiligen Geist geschieht). Und so müssen wir aktiv die Frucht des Geistes leben, können dies aber nicht aus uns selbst, sondern sind dabei vollkommen von Gott abhängig!
Auch wichtig zu sagen ist, dass unser Wandel, also ob wir die Frucht des Geistes ausleben oder nicht, unserer Stellung, die wir in Christus haben, nichts anhaben kann. Wir sind heilig und gerechtfertigt durch das Werk Jesu und nicht durch unsere Werke, und darum kann uns auch unser Versagen und Sündigen (was wir hier auf Erden weiterhin tun) nichts anhaben. Vergiss das nie. Du bist vollkommen gemacht (stellungsmässige Heiligung), Gott in seiner Liebe leitet dich aber weiterhin zur Veränderung an und fordert dich auf, Sünde abzulegen (fortschreitende Heiligung).
Hebräer 10,14: Denn mit einem Opfer hat er die, die geheiligt werden, für immer vollkommen gemacht.
Die Frucht des Geistes in der Kindererziehung
Ich glaube, die Bibel wird von uns christlichen Eltern massiv unterschätzt. Vielen ist nicht bewusst, wie nützlich und kraftvoll die Bibel in der Kindererziehung ist und dass sie uns alles Nötige liefert, um unsere Kinder zu verstehen und sie auch zu erziehen. Viele erwarten in diesem Punkt schlicht und einfach nichts von der Bibel, und darum suchen immer mehr Eltern in weltlichen Erziehungsmodellen, die sich meist auf die Entwicklungspsychologie gründen, nach Rat.
Doch die Bibel selbst ist ein einziges grosses Erziehungsbuch und die wenigen Prinzipien, die Gott uns Eltern gibt, sind komplett ausreichend. In der Bibel finden wir das Ziel mit unseren Kindern (5. Mose 6, 5–7), die Herzensdiagnose, warum unsere Kinder sich z. B. oft querstellen, klare Anweisungen über die Art und Weise, wie wir sie erziehen sollen, und Gottes Werte und moralischen Standard, anhand dessen wir uns richten können und der in unserer Erziehung Massstab ist. Auch einige Werkzeuge werden uns in der Bibel mitgegeben, die uns helfen, unsere Kinder anzuleiten und sie zu formen, damit sie zu Erwachsenen werden, die Gott von ganzem Herzen lieben und ihm somit nachfolgen (womit wir wieder beim göttlichen Ziel mit unseren Kindern sind).
Bei alledem ist die Bibel mehr als nur ein Methodenbuch. Weil es von Gott selbst kommt, hat sein Wort nämlich die Wirksamkeit, sowohl uns als auch unsere Kinder zu erziehen und zu überführen und so nicht nur äussere Verhaltensänderung zu erzeugen, sondern die dringend notwendige Herzensveränderung zu vollbringen:
2. Timotheus 3,16 steht: Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet.
Kein anderes Erziehungsbuch und keine andere Erziehungsmethode können dies von sich behaupten. Und wenn wir ausserhalb der Bibel nach den Grundlagen für die Erziehung unserer Kinder suchen, treffen wir auf der Bibel widersprechende Ergebnisse. Dies fängt schon beim Grundsatz an, wie der Mensch gesehen wird: als in sich gut vs. als Sünder (Römer 5,12; Psalm 51,7). Zum Beispiel wird das Trotzalter im heutigen Erziehungsverständnis als Autonomiephase betitelt und soll darum mit dem Kind durchgestanden werden, anstelle, wie die Bibel es nennt, als Rebellion und somit als Sünde, die korrigiert werden muss.
In den Sprüchen finden wir einen Vers, der die Notwendigkeit dieser frühen Korrektur auf den Punkt bringt:
Sprüche 6,22: Gewöhne den Knaben an den Weg, den er gehen soll.
Das hebräische Wort, für “gewöhnen” heisst so viel wie antrainieren2. Wir sollen unsere Kinder also schon früh an Gottes Gebote und Wege gewöhnen und sie ihnen antrainieren, indem wir es konstant mit ihnen üben. Anstatt Ausreden für das Verhalten unserer Kinder zu finden, sagt uns die Bibel, dass wir von Anfang an das sündhafte Verhalten unserer Kinder korrigieren und sie an Gottes Massstab gewöhnen sollen. Denn wenn man einem Kind nicht einen gottgewollten Charakter antrainiert, gewöhnt es sich ganz automatisch sündhaftes Verhalten an und einen Charakter, der sich selbst mehr als alles liebt und nicht Gott. Dies wird auch nicht von allein auswachsen, wie heute gerne gesagt wird, im Gegenteil: Je älter das Kind wird, desto schwerer wird es zu korrigieren sein.
Die Frucht des Geistes ist uns in all dem eine grosse Hilfe, und wenn wir dieses biblische Prinzip in der Erziehung anwenden, dann gibt es uns sowie unseren Kindern viel Orientierung darin, was für ein Verhalten angemessen ist, in einer Zeit, in der der moralische Standard der Gesellschaft dahinschwindet. Es unterstützt uns dabei, unseren Kindern Fehlverhalten aufzuzeigen und ihnen vor Augen zu führen, dass sie Sünder sind (was dringend nötig ist, damit sie Gottes Vergebung und Gnade als für sie notwendig sehen und annehmen).
Das Bild aus Galater 5 hilft uns dabei, das Verhalten unserer Kinder an einen gottgewollten Charakter zu gewöhnen und ihnen schon früh anzutrainieren. Und infolgedessen unsere Kinder in der Heiligung zu einem Gott ähnlicheren Charakter anzuspornen und anzuleiten. Schlussendlich hilft es uns auch, zu einem friedlichen Umgang innerhalb der Familie und zu einem guten Zeugnis nach aussen zu leben.
Die Frucht des Geistes Kindern vermitteln.
Nun fragst du dich vielleicht, wie du die Frucht des Geistes deinen Kindern vermitteln kannst und wie du dieses Prinzip in eurem Alltag anwendest.
1. Bilder nutzen
Glücklicherweise verwendet Paulus eine sehr bildliche Sprache, um uns das Prinzip von der Frucht des Geistes zu vermitteln. Und so dürfen wir ebenfalls diese bildliche Methode nutzen, um die Frucht des Geistes zu vermitteln.
Schon vor einigen Jahren habe ich mit meinem ältesten, damals dreijährigen Sohn einen Baum gemalt und mit einem halbierten Apfel einen «Stempel» hergestellt, mit dem er ganz einfach neun einzelne Früchte auf den Apfelbaum stempeln konnte. Zusammen haben wir dieses dann mit Liebe, Freude, Friede usw. angeschrieben und an den Kühlschrank gehängt. Immer wenn es eine Situation gab, in der ich ihn auf die Frucht des Geistes hinweisen wollte, gingen wir zum Kühlschrank und schauten, welches Verhalten er ablegen muss und welche Frucht er am besten “anziehen” soll. Auch wenn er etwas gut machte, dann habe ich ihn gelobt und darauf hingewiesen, dass er nach der Frucht des Geistes lebte. Diese bildliche Darstellung wurde für uns im Alltag eine konstante Erinnerung und Motivation, im Geist zu wandeln. Das Bild der Früchte prägte sich bei meinem Sohn schnell ein und es war darum nicht verwunderlich, dass er bei einem Einkauf bei den Äpfeln quer durch den Laden rief: “Mama schau, die Frucht des Geistes”!
Für diesen Artikel habe ich ebenfalls Bildmaterial zur Frucht des Geistes erstellt, damit du ganz einfach und für die Kinder gut einprägsam die Frucht des Geistes mit deinen Kindern durchnehmen kannst. Die Karten mit den einzelnen Früchten kannst du in unserer Download-Bibliothek gratis herunterladen und ausdrucken.

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Zu jeder Frucht gibt es einen passenden Bibelvers, welcher dazu auffordert und zeigt, wie diese Frucht ausgelebt werden soll. Diese Bibelverse können mit den Kindern auswendig gelernt und auch von dir vorgebracht werden, wenn ein Kind eine Erinnerung daran benötigt. Je nach Alter der Kinder kann die Anwendung der Karten angepasst werden und ist durch die bildliche Sprache auch für ganz junge Kinder schon gut verständlich. In der Downloadbibliothek findest du übrigens auch ein Poster dazu und die einzelnen Früchte in etwas «reiferen» Motiven für schon ältere Kinder oder Erwachsene.

Nimm dir die Frucht des Geistes doch gerade jetzt im Sommer (es geht aber auch sonst immer) als ein Familienprojekt vor, in dem ihr z.B. jede Woche eine neue Frucht ergänzt, den Bibelvers auswendig lernt, sie zur Erinnerung aufhängt (z. B. als Wimpelkette) und darüber sprecht, wie diese Eigenschaften in eurem Alltag angewendet werden. Wie: Wo kann ich Liebe zeigen, auch wenn ich eigentlich anders fühle? In welcher Situation und warum können wir Freude haben, auch wenn die Umstände eigentlich unerfreulich sind? Warum ist es wichtig, geduldig sein zu können, und wann kann man das üben? Und warum ist Selbstbeherrschung ein wahrer Segen?
2. Ausziehen, Umdenken und Anziehen
In diesem Prinzip vom Aus- und Anziehen finden wir die wichtige “Methode”, dass wir sündhaftes Verhalten mit geistlichem Verhalten ersetzen müssen (Epheser 4,22–24, Kolosser 3,8–14, Römer 13,12–14 → es lohnt sich, diese Stellen mal zu studieren). Denn wir können mit unseren sündhaften Gewohnheiten nicht einfach nur aufhören, ohne etwas anderes zu tun, und um unsere Kinder erfolgreich zu einem anderen Verhalten zu erziehen, müssen wir ihnen ebenfalls ein Verhalten anbieten, das sie mit ihrem Fehlverhalten ersetzen können. Herumschreien mit Selbstbeherrschung ersetzen, Hauen mit Streicheln ersetzen (das geht schon bei ganz kleinen Kindern), einen gehässigen Ton mit einem liebevollen Ton ersetzen.
Oft höre ich Eltern (und mir unterläuft dieser Fehler auch immer wieder), dass sie ihrem Kind einfach sagen: «Hör auf zu schreien», oder «Du darfst nicht hauen». Und auch wenn es zwar gut ist, dass einem diese Dinge gesagt werden, so braucht es doch eine Anweisung und Anleitung, was es anstelle davon tun soll. Die Frucht des Geistes hilft uns damit. Und so kann man seinem Kind z. B. in einer Situation, in der es quengelt, sagen: «Du musst nicht schreien, du kannst in dieser Situation auch ruhig (durch Selbstbeherrschung) mir mitteilen, was du benötigst oder gerne möchtest.» Häufig spreche ich meinem Kind auch vor, in welchem Ton es etwas sagen kann, und verlange es so lange, bis es ruhig und in selbstbeherrschtem Ton sagen kann, was es wollte.
Dieses Prinzip anzuwenden, benötigt Übung. Doch wenn wir unseren Kindern dieses Prinzip vermitteln, dann geben wir ihnen ein Werkzeug und Gewohnheiten an die Hand, die sie bald auch selbst anwenden können und die ihnen zum grossen Segen werden.
3. Unsere Kinder in ihren Emotionen anleiten
Ein grosses Thema in der Kindererziehung sind die Emotionen unserer Kinder, und die Frucht des Geistes spricht auch unsere Emotionen an. Ganz generell wird uns heutzutage gesagt: Emotionen sind sehr wichtig und sollen nicht «abgewürgt» werden. In heutigen Erziehungsratgebern wird uns Eltern fast Angst gemacht, unseren Kindern zu schaden, wenn wir nicht auf die Emotionen unserer Kinder eingehen und diesen volle Aufmerksamkeit und Bedeutsamkeit schenken. Die Emotionen werden dabei zum alles entscheidenden Massstab und bestimmen in vielen Familien den ganzen Alltag. Doch auch diese Sicht kommt von einem Menschenbild, das sagt, dass der Mensch im Grunde gut ist und daher alle Emotionen immer gut sind.
Wir sind als emotionale Geschöpfe geschaffen, und Emotionen sind auch Gott gewollt. Doch unsere Gefühle sind ebenfalls vom Sündenfall kontaminiert und darum kein verlässlicher Barometer und kein Wegweiser, an dem wir unser Verhalten und unsere Entscheidungen ausrichten können. Im Gegenteil finden wir in der Bibel wiederholt, dass wir entgegen unseren Gefühlen handeln sollen. Wie «Freuet euch allezeit» (1. Thessalonicher 5,16) oder in den Psalmen, in denen Menschen in schwierigen Umständen nie bei ihren Gefühlen bleiben, sondern sich immer Gottes Zusagen zuwenden und ihre Gefühle dann von Gottes Wahrheit verändern lassen (z. B. Psalm 13, 41, 42, 61 usw.), oder eben in Galater 5 die Frucht des Geistes uns zu einem Verhalten und Emotionen anweist wie Freude und Liebe als Frucht und nicht als Resultat unserer Gefühle.
Ich sage meinen Kindern oft: «Unsere Gefühle sind kein guter Berater!» Denn auch wenn sie immer real sind, sind sie wegen unserer Sündhaftigkeit nicht immer wahr und auch nicht verlässlich. Hingegen sind Gottes Wort und seine Zusagen immer wahr, und wenn wir uns danach richten, können sie unsere Gefühle komplett ändern, und es geht einem gut dabei. Einem Menschen hingegen, dem nie beigebracht wurde, wie er seine Emotionen kontrollieren kann, geht es nicht gut … Oder findest du, dass es einem Kind gut geht, das sich alle 2 Stunden schreiend auf den Boden wirft, nur weil es nicht genau so ging, wie es wollte, oder stundenlang schmollt, weil ihm etwas nicht passt?
Unsere Kinder benötigen unbedingt Anleitung, wie sie nicht ihren Gefühlen, sondern uns (Epheser 6,1; Kolosser 3,20) und (daher) Gottes Wort folgen können. Dazu ist es manchmal notwendig, ihre Gefühle zu identifizieren, denn häufig steckt dort der Kern der Sünde. Dann aber nicht dortbleiben, sondern ihr Denken (das unsere Gefühle stark beeinflusst) im Gehorsam dem Wort Gottes gegenüber gefangennehmen (2. Korinther 10,5) und dann, wie es in dem oben erwähnten Prinzip aus Epheser 4 steht, ihr Denken zu erneuern, damit auch sie gottgewolltes Handeln anziehen können (Epheser 4,23). Dabei benötigen sie immer wieder die Erinnerung daran, was Gottes Wort zu ihrer Situation sagt. Wir Eltern müssen darum die Bibel kennen und sie selbst in unserem Alltag anwenden.
Mach deinem Kind ein grosses Geschenk und bring ihm bei, seine Emotionen zu regulieren (Selbstbeherrschung) und sich nicht von seinen Emotionen leiten zu lassen, sondern von Gottes Wahrheit. Du wirst ihm für sein ganzes Leben einen grossen Gefallen tun!
4. Wenn dein Kind (noch) kein erlöstes Kind Gottes ist?
Nun kann man zu Recht einwenden, dass unsere Kinder die Frucht des Geistes noch nicht leben können, wenn sie noch nicht errettet sind. Denn es hat ja Gottes Geist bisher nicht innewohnend und ist noch keine neue Schöpfung. Trotzdem sollen wir aus zwei Gründen die Frucht des Geistes auch mit unseren Kindern einüben, die sich noch nicht für Jesus entschieden haben:
- Weil es ihnen so schon früh zur Gewohnheit werden kann, liebevoll, freudig, friedlich, geduldig, gütig, freundlich, treu, sanft und selbstbeherrscht zu sein. Auch wenn diese Dinge vor Gott als «leere Werke» zählen, ist es doch eine grosse Chance für unsere Kinder, die mit gläubigen Eltern aufwachsen, schon früh diese Charaktereigenschaften einzuüben und zu wissen, dass dies der göttliche Standard ist.
- Durch dieses «Einüben» werden sie erkennen, dass sie darin immer wieder versagen. Diese Momente des Versagens oder Sündigens sind grosse Gelegenheiten, unseren Kindern das Evangelium zu erzählen. Wenn man unseren Kindern den biblischen Massstab vorlegt, dann können sie erkennen, dass sie ihn ohne den Heiligen Geist, also ohne Errettung, nie erreichen können. Eines meiner Kinder hat sich genau aus solch einer Situation bekehrt.
Darum schrecke nicht davor zurück, deinen Kindern die Frucht des Geistes beizubringen, doch vergiss auch nicht, sie immer wieder darauf hinzuweisen, wie es für sie möglich sein wird, diese Frucht zu tragen. Nämlich nur mit der Hilfe von Gott durch den Heiligen Geist. Und erinnere deine Kinder und dich selbst auch immer wieder an die Gnade Gottes in den Momenten, in denen ihr versagt und euch nicht “fruchtbar” verhaltet.
Die einzelnen Früchte genauer erklärt
Wie eine Traube, die zwar in sich eine einzelne Frucht ist und doch aus vielen kleinen Trauben besteht, die daran hängen, so ist auch die Frucht des Geistes eine Frucht (Singular). Und trotzdem besteht sie aus einzelnen Eigenschaften, die jedoch auch miteinander interagieren und voneinander abhängig sind, um sie auszuleben. So kann zum Beispiel ohne Liebe niemand geduldig sein und ohne Selbstbeherrschung hat man keine Geduld. Die einzelnen Früchte genauer betrachtet, ist eine spannende Sache, und es lohnt sich, wenn wir mit unseren Kindern immer wieder darüber reden und wir unseren Kindern auch vermitteln, was mit den einzelnen «Früchten» gemeint ist. Denn ein wichtiger Schritt im Prozess vom Ausziehen zum Anziehen ist auch das Umdenken. Und dazu benötigen wir und unsere Kinder eindeutig eine konstante Erinnerung und Anleitung aus dem Wort Gottes.
Liebe3
Die Liebe ist sozusagen die Hauptfrucht, aus der weitere Eigenschaften herauskommen (1. Korinther 13,4–7). Liebe ist darum nicht einfach nur ein Gefühl, sondern vor allem tatkräftige Handlungen. Das oberste Gebot ist, Gott zu lieben (Matthäus 22,36–40). Doch niemand kann Gott wahrhaftig lieben, ohne auch seinen Nächsten zu lieben (Kolosser 3,14; 1. Johannes 4,20–21). Gott ist Liebe und wir können andere lieben, weil er uns zuerst geliebt hat und seine Liebe in uns ausgegossen hat (1. Johannes 4,19 und Römer 5,5).
Freude
Wahre Freude ist ein christliches Privileg, aber auch eine Pflicht für uns Christen (Philipper 3,1). Christliche Freude gründet sich nicht auf unsere Umstände, sondern auf die Tatsache, dass wir durch Jesus immer einen Grund zur Freude haben (Johannes 17,13). Eines der grössten Hindernisse für die Freude ist Sünde in unserem Leben. Wahre Freude findet man nur bei Gott und in der Gemeinschaft mit ihm, und als seine Kinder wird uns geboten, uns immer in ihm zu freuen (1. Thessalonicher 5,16). Das Gegenteil davon, sich im Herrn zu freuen, ist die Zuversicht im eigenen Fleisch, in guten Werken oder religiösen Erfolgen zu suchen.
Friede
Gott ist ein Gott des Friedens (Römer 15,33) und eines seiner Versprechen ist, dass er, anders als die Welt, uns Frieden gibt (Johannes 14,27). Darum soll Friede auch Teil unseres Charakters sein und in unserem Leben und unseren Beziehungen regieren. Durch Jesus haben wir Frieden mit Gott (Römer 5,1) und wir können keinen Frieden haben, ohne dass wir nicht zuerst Frieden mit Gott haben (Jesaja 57,20+21). Der Friede mit Gott ist darum die Grundlage, um Frieden in uns zu haben, aber auch mit anderen. Gottes Friede kann auch unseren Verstand übersteigen (Philipper 4,6–7), und auch in ungelösten Situationen und Problemen kann Gottes Friede in uns regieren, weil er nicht von Umständen abhängig ist. Soweit es an uns ist, sind wir aufgefordert, mit unseren Mitmenschen im Frieden zu leben und aktiv Frieden zu suchen (Römer 12,8; 14,19, Kolosser 3,15, Hebräer 12,14).
Geduld (Langmut)
Geduld ist eine Eigenschaft, die gerne mit anderen Eigenschaften verschmilzt und selten alleine auftritt. Zum Beispiel ist Liebe ohne Geduld nicht Liebe (1. Petrus 4,8). Eine Form von Geduld ist das Ausharren und Aushalten von Leiden, ohne ärgerlich oder bitter zu werden (Römer 5, 3+4). Ein geduldiger Christ, überlässt sein Problem Gottes Hand und wartet zuversichtlich, dass Gott Dinge zu seiner Zeit löst (Psalm 40,1), auch wenn dies vielleicht erst mit seinem Wiederkommen ist (2.(Thessalonicher 1,6). Wir sollen einander mit Geduld und in Liebe ertragen (Epheser 4,2–3) und keinen Aufwand scheuen, die Einheit des Geistes zu bewahren (Epheser 4,3).
Freundlichkeit und Güte
Freundlichkeit ist ein tiefer Wunsch, dass andere glücklich sind, und Güte ist die aktive Handlung, damit es anderen gut geht. Freundlichkeit ist die innere Neigung, die, bewirkt durch den Heiligen Geist, uns für die Bedürfnisse des anderen sensibilisiert. Güte scheut keine Gelegenheit, an anderen Gutes zu tun. Gottes Güte ist unser Vorbild im Umgang mit anderen, welche er ungeachtet unserer Person und durch seine Freundlichkeit und Güte uns entgegenbringt (Titus 3,4–5). Wir sind erschaffen, um Güte zu leben (Epheser 2,10), und sollen für unsere guten Werke bekannt sein (Philipper 4,5). Unsere Güte soll sich dennoch zuallererst auf unsere engste Familie richten (1. Timotheus 5,8), da dies unser Zeugnis erst glaubwürdig macht. Wir können nicht alles tun, was gut ist, sondern sind in der Verantwortung, das Gute zu tun, das Gott in uns vorbereitet hat. Dazu sollen wir im Gebet anhand unserer Umstände, Gaben und Begabungen erwägen, wie wir Gott und anderen dienen sollen.
Treue
Das, was Gott verspricht, das hält er auch (Römer 4,21). Gottes Treue ist eine der herausragendsten und meistgenannten Eigenschaften, und als Kinder Gottes dürfen wir uns seiner Treue gewiss sein, selbst dann, wenn wir ihm untreu sind (2. Timotheus 2,13). Treue ist ehrlich (3. Mose 19,11), verlässlich und zuverlässig (Sprüche 10,26). Jemand, der treu ist, hält zu einem, ungeachtet der Umstände (Ruth 1,16) und ob es zum eigenen Vorteil ist oder nicht, er ist loyal (Sprüche 17,17), ungeachtet der Person, und ändert nicht plötzlich seine Meinung (Sprüche 3,3). Der erste Schritt, um treu zu sein, ist, Gottes Standard von Treue anzuerkennen, und als Kinder Gottes sollen wir treue Diener Gottes sein (Matthäus 25,21).
Sanftmut
Sanftmut beschreibt eine aktive Eigenschaft, in der wir andere behandeln sollen. Es ist eine der meistvergessenen Eigenschaften und wird oft mit Schwäche verwechselt. Doch Stärke und Sanftmut schliessen sich nicht aus (Jesaja 40,25–26). Sanftmut erfordert Stärke durch den Heiligen Geist. Nach dem Vorbild von Gott selbst (Jesaja 40,11 und Matthäus 12,20) sollen wir ebenfalls allen Menschen in milder Weise begegnen und sie so behandeln, dass sie sich in unserer Gegenwart sicher fühlen, weil wir sie weder dominieren noch blossstellen. Ein sanftmütiger Charakter ist grosszügig, herzlich, nachgiebig und rücksichtsvoll. Und wenn er etwas anspricht, dann tut er dies in Demut und Liebe (2. Korinther 10,1; Philemon 1).
Selbstbeherrschung
Selbstbeherrschung ist eine erforderliche Charaktereigenschaft einer gottesfürchtigen Person, weil sie es befähigt, Gottes Wort gehorsam zu sein. Selbstbeherrschung ist notwendig, weil wir gegen unser eigenes sündhaftes Verlangen, das in uns wohnt, im Krieg sind (Jakobus 1,14; 1. Petrus 2,11b; Epheser 4,22). Selbstbeherrschung ist die innere Schutzmauer eines Christen gegen sein eigenes sündhaftes Verlangen (Sprüche 28,28), die er benötigt, um sein Verlangen, seine Emotionen, Worte und Taten mit vernünftiger Beurteilungskraft zu regulieren und unter den Gehorsam Jesu zu bringen (Sprüche 2,11–12; Lukas 9,23).
Früchte tragen
Ich hoffe sehr, du darfst nun ermutigt sein, die Frucht des Geistes in deinem Alltag und die Erziehung mit deinen Kindern anzuwenden und dass du bald die Früchte, die deine Kinder und du tragen, ernten darfst. Glaub mir, diese Investition lohnt sich, denn es wird damit deinem Kind wie dir besser gehen! Und auch wenn es harte Tage gibt, an denen du denkst, dass alles verfault und die ganze Ernte bachab geht, gib nicht auf, denn Gott ist mit seinen Kindern und dir am Werk (Philipper 1,6). Du musst das alles auch nicht alleine machen, denn Gott hat dir eine Hilfe gegeben, sei es in deinem eigenen Verhalten, aber auch in der Erziehung deiner Kinder: seinen Geist höchstpersönlich.
Epheser 3,16: Er gebe euch nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, mit Kraft gestärkt zu werden durch seinen Geist an dem inneren Menschen;


