So kannst du deine Kinder in den Haushalt einbeziehen

Zurzeit habe ich ein Kleinkind zu Hause, das mir in jeden Raum folgt, in den ich gehe. Das ist an sich sehr schön. Ich habe immer Gesellschaft um mich herum, denn zusätzlich zu seiner Präsenz begleitet ihn auch immer ein Redeschwall. Der Vormittag ist nie langweilig und meinem kleinen Helfer geht der Gesprächsstoff niemals aus. Auch wenn ich ins Badezimmer gehe und meine Putzhandschuhe überziehe, um – längst überfällig – den Waschtisch oder die Toilette zu reinigen, folgt er mir. „Mama, darf ich helfen?”, fragt er. Mein Blick wandert zur offenstehenden Toilette und meine Gedanken zu den vielen Malen, wo er mir dort „geholfen“ hat, es im Anschluss aber alles andere als sauberer war… Mein Inneres ruft: „Oh nein, bitte nicht. Kann ich das nicht einfach ganz schnell und kurz alleine und in Ruhe erledigen?“ Aber ich höre mich sagen: „Na klar, mein Kleiner. Schön, dass du mir helfen möchtest. Hier sind deine Sprühflasche und dein Putzlappen. Aber fang doch bitte lieber erstmal dort bei der Dusche an, die kannst du richtig doll einspritzen.“ Dann beginnen wir beide mit dem Putzen, und nach 20 Minuten, weiteren Redeschwällen, nassen Socken, Spielzeug anreichen fürs Baby in der Wippe und weiteren Unterbrechungen (wir brauchen dabei viel länger als ich alleine gebraucht hätte), sind wir dann irgendwann auch fertig.

So manches Mal ist man versucht, einfach alles im Haushalt alleine zu erledigen. So wird es genau so wie man es möchte, es geht nicht so viel daneben und es spart einige Nerven („Oh nein, den WC-Reiniger darfst du nicht in die Hände nehmen – der ist giftig!!! Und die Klobürste gehört auch nur an diese eine Stelle – richtig – in die Toilette hinein…“) Zu gross ist der Wunsch, die Dinge einfach schnell über die Bühne zu bringen, nicht noch mehr Chaos entstehen zu lassen und eine Sache einfach mal ohne Störung und Unterbrechung zu Ende zu bringen. Immer wieder muss ich mich daran erinnern, dass meinen Kindern und mir dadurch eigentlich einiges entgeht.

Es dauert zwar länger, wenn mir meine Kinder helfen, denn sie müssen erst lernen, wie die einzelnen Schritte funktionieren. Aber langfristig betrachtet lernen sie unglaublich viel dabei! Nämlich, dass in einer Familie jeder seinen Teil zum Gelingen beiträgt. Sie merken, dass man ihnen etwas zutraut und wieviel sie schon alleine schaffen können. Sie verstehen, dass die Mama zwar den Überblick hat, aber nicht dazu da ist, um die Kinder nur zu bedienen und ihnen alles hinterherzutragen. Sie werden selbstständiger und erleben die Zufriedenheit, wenn sie einen neuen Arbeitsschritt gelernt und zum ersten Mal selbstständig durchführen konnten. („Mama, guck mal, ich habe es ganz alleine geschafft, die Treppe zu saugen.“). Und – so ist zumindest die Hoffnung – sie werden achtsamer dabei, welchen Dreck und welche Unordnung sie ins Haus hineintragen, weil sie wissen, dass es jemanden geben muss, der ihn wieder beseitigt. (Soweit die Theorie, in der Praxis arbeitet man stetig daran. 😊) Und beim gemeinsamen Werkeln entsteht sogar so manches schöne Gespräch. Während man alleine mit einem Kind einer Tätigkeit nachgeht, habe ich schon tolle Gespräche mit meinen Kindern führen können und das gemeinsame Geniessen einer kleinen Belohnung im Anschluss (wie einem Marshmallow-Kakao) ist auch immer für alle ein Highlight.

Meine Kinder wissen, dass sie meine Helfer sind, und nicht meine Arbeiter. Ich bitte sie aktiv um ihre Mithilfe und sie wissen auch, dass Gott sich darüber freut, wenn sie anderen gerne helfen. Wie die folgenden Bibelstellen deutlich auffordern.

Philipper 2,4: Ein jeder schaue nicht auf das seine, sondern auf das des anderen.

Galater 6.2+9-10: Einer trage des anderen Lasten, und so sollt ihr das Gesetz des Christus erfüllen. … Lasst uns aber im Gutestun nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht ermatten. So lasst uns nun, wo wir Gelegenheit haben, an allen Gutes tun, besonders aber an den Hausgenossen des Glaubens.

Diesen Blick für den anderen zu entwickeln, weg vom Kreisen um die eigenen Bedürfnisse und Wünsche, beginnt genau hier in der Familie. Kinder erleben, dass anderen zu helfen Zufriedenheit bewirkt. So manches Kind, das vorher lustlos durch die Zimmer ging und nicht wusste, was es anfangen soll, ist nach dem Helfen viel zufriedener und findet im Anschluss von ganz alleine wieder eine nette Beschäftigung.

Jedes Kind hat einen anderen Charakter, manch einer ist zum Helfen geboren und es drängt sich ihm einfach auf. Ein anderes Kind muss stärker motiviert werden. Wenn unsere Kinder wissen, dass Helfen etwas ist, was Gott von ihnen möchte, dürfen wir sie auch zusätzlich motivieren (besonders im Kleinkindalter). Von einer lieben Freundin haben wir dafür dieses Sternesammel-System kennengelernt und bei uns zuhause eingeführt. Wenn eine bestimmte Anzahl an Sternen gesammelt ist, dürfen sich die Kinder (je nach Alter) entweder eine gemeinsame Aktion aussuchen (Eis essen gehen, schwimmen gehen oder Ähnliches), oder bekommen ein kleines Geschenk. 

Dabei kann man sich aussuchen, ob man feste Bereiche zuordnet (z.B. beim Einkaufen helfen, in der Küche helfen, etc.) oder einfach bei jeder Art von Hilfe einen Stern bekommt. Manches Kind ist dadurch so motiviert, dass es phasenweise im Lauf des Tages immer wieder kommt und fragt „Kann ich dir noch etwas helfen?“, besonders wenn die Liste bald schon voll ist und die Belohnung in greifbare Nähe rückt. Mir persönlich fällt in diesem Moment nicht immer direkt etwas ein. Deshalb habe ich mir eine kleine Liste an Dingen erstellt, die immer wieder anfallen und die bereits ein Kleinkind um die drei Jahre gefahrlos selbstständig tun kann:

  • Besteckkasten der Spülmaschine einsortieren (mit einem Lernturm kommen auch 1,5-Jährige schon gut und sicher an die Schublade dran)
  • Plastikteile aus der Spülmaschine wegräumen (in Schubladen, die für Kinder unten gut erreichbar ist)
  • Mit Handstaubsauger staubsaugen (Treppe oder kleinen bestimmten Bereich)
  • Toilettenrollen-Vorrat auffüllen
  • mit eigenen kleinen Putzutensilien (kleiner Handbesen, eigenes Putzkörbchen, Staubpuschel, Sprühflasche und Feuchttücher) ebenfalls aktiv werden
  • Beim Kochen helfen: Vorräte (wie Sahne oder Konserven, die auch mal auf den Boden fallen dürfen) aus einem gut zugänglichen Vorratsregal oder aus dem Keller bringen
  • Beim Kleinschnippeln helfen: Gurkenstreifen zu Würfeln z.B. oder Kartoffelstreifen zu Würfeln schneiden
  • mit einer Sprühflasche (mit Wasser gefüllt) und Lappen die Dusche oder anderen kleinen Bereich abwischen (dient auch als gute Beschäftigung, wenn dieser Bereich eigentlich nicht zu putzen wäre)
  • Einen kleinen leichten Korb in die Hand geben, mit dem das Kind alle Kleinteile im Wohnzimmer aufsammelt, die dann anschliessend nur noch gesammelt an den jeweiligen Platz verräumt werden müssen
  • mit Kindertellern (am sichersten Plastikgeschirr) und Besteck den Tisch decken
  • Wurst- und Käsepackungen auf und abdecken
  • eigenen Teller nach dem Essen in die Küche stellen
  • Schuhe im Flur ins Schuhregal einsortieren
  • mit einem Staubmagneten den Staub “wegpuscheln”
  • eine gemeinsame Aufräumrunde am Abend

Mit grösseren Kindern:

  • Staubsaugen
  • Brötchen vom Bäcker holen
  • Müll rausbringen
  • Wäsche falten und einsortieren (so ist jeder für seinen eigenen kleinen Wäscheberg zuständig und kann mit einem kleinen handlichen Korb die eigenen Teile verräumen)
  • einen kleinen Einkauf machen (wenn eine Zutat fehlt oder es frisches Obst braucht) und es einen Laden in der Nähe gibt
  • Toilette oder Waschtisch putzen
  • Spülmaschine selbstständig ausräumen
  • Tisch abwischen
  • Eine kleine Mahlzeit zubereiten
  • Muffins oder einen Kuchen backen

Dir fallen bestimmt noch viele andere Dingen ein. Bei uns zuhause gibt es die Regel, dass es fürs Tisch decken und abdecken und fürs Helfen beim Spülmaschine ausräumen keine gesonderten Helfer-Sterne gibt. Für alles andere, was nicht jeden Tag und außer der Reihe geholfen wird, aber schon. So verstehen sie, dass nicht jede Hilfe gleich eine Belohnung oder Gegenleistung mit sich bringt. Aber darüber hinaus gehendes Engagement wird belohnt und alle sind mit mehr Freude dabei.

Divide et impera – oder: Wenn es mal nicht funktioniert

Nach Abflauen der ersten Euphorie braucht es auch mal etwas mehr gutes Zureden, damit unsere Kinder uns mithelfen wollen. An manchen Tagen wird auch die grösste Motivation nicht helfen. Oder aber es reicht einfach unsere Geduld nicht aus, um die Dinge mit deutlich mehr Zeitverlust zu tun. Manchmal hilft alles gutes Zureden nichts, und dein Kind möchte dir weder helfen, noch hast du selber die Zeit, um deine Aufgaben in Ruhe zu erledigen. Aber lass dich davon nicht abhalten, es wieder zu versuchen, wenn es ein paar Mal nicht gut geklappt hat. Versuche es wieder neu. Der Gewinn wenn es dann etabliert ist, ist die Mühe wert.

Das lateinische Sprichwort “Divide et impera” (zu Deutsch, Teile und herrsche) hilft weiter, wenn sich Streithähne dabei in die Haare bekommen, wer nun welche Aufgabe wie und wo übernimmt. Verteile deine Kinder dann in unterschiedliche Räume und behalte alles im Überblick. Gib ihnen klare, kurze Aufgaben, die sie schnell erledigen können. Schon schnell stellt sich dann ein gutes Erfolgserlebnis ein und so manches Kind sucht freiwillig nach weiteren Aufgaben oder findet mit besserer Laune wieder eine neue schöne Beschäftigung.

Auf den ersten Blick hört sich das für dich vielleicht etwas starr und überstrukturiert an. Vielleicht stellst du dir eine Mama vor, die wie ein Feldwebel durchs Haus läuft und ihren Kindern Anweisungen zuruft, während sie sie antreibt. Aber lass dir sagen, dass es alles andere als das ist! Beim Mithelfen der Kinder im Haushalt ist etwas völlig anderes im Fokus. Schon oft hat sich die anfängliche schlechte Laune innerhalb von Minuten verflüchtigt und wir waren fröhlich gemeinsam am Werk. Anderen zu helfen bringt allen Beteiligten Freude!

Und beim Mithelfen geht es nicht nur darum, dass jeder seinen Teil zur Familie beiträgt, auch wenn dies ebenfalls ein wichtiger Grundsatz ist. Es geht viel mehr um eine gute Herzensbildung, eine Einstellung beim Kind zu fördern, die einen Blick für den anderen hat und gerne hilft und unterstützt, wenn jemand anderes Hilfe braucht. Wir können das nicht in unseren Kindern selber machen. Aber wir können versuchen, es ihnen vorzuleben und sie dazu motivieren. Lass deine Kinder nie nur deshalb helfen, damit du selber weniger Arbeit hast. Sondern habe immer dieses Ziel im Blick. Bete auch konkret dafür.

Denn ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie man aus freien Stücken und gutem Willen mit anpackt, beginnt für jeden innerhalb der eigenen Familie. Es beginnt genau hier im eigenen Zuhause und ist etwas, das wir unseren Kindern nicht früh genug nahebringen können.

Auch die Frau aus Sprüche 31 wird alles andere als ein Feldwebel gewesen sein. In den Versen 26 und 27 wird über sie gesagt:

Ihren Mund öffnet sie mit Weisheit, und freundliche Unterweisung ist auf ihrer Zunge. Sie behält die Vorgänge in ihrem Haus im Auge…

Man kann sich richtig vorstellen, wie sie genau dies tat, während sie gemeinsam mit ihren Mägden, aber auch Kindern, gemeinsam an die Arbeit ging. Und genau das wollen wir mit unseren Kindern tun – sie fröhlich mit einbeziehen. Beim gemeinsamen Werkeln kommt man viel schneller voran. Es ergibt sich immer wieder mit einem einzelnen Kind ein gutes vertrauliches Gespräch unter vier Augen. Schon währenddessen verbringt man also Zeit zusammen und es bleibt auch der Mama am Ende mehr Zeit und Energie des Tages übrig, in der sie sich mit ganzem Herzen ihren Kindern widmen kann.

In welchen Haushaltsbereich kannst du deine Kinder aktuell gut mit einbeziehen? Druck dir die Helfersterne aus und geht gemeinsam froh ans Werk.

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